
Das große Ereignis in den letzten Wochen, war ist natürlich die Geburt von Lola. Was mir aber wirklich schlaflose Nächte und Rückenschmerzen bescherte, war unser Umzug.
Zwar nur schlappe acht Kilometer von Hürth nach Brühl, die Möbel mussten aber trotzdem runtergetragen, eingeladen, transportiert, ausgeladen und wieder hochgetragen werden. Nächstes Mal wird übrigens ein Umzugsuntgernehmen engagiert – ich bin einfach zu alt für so nen Mist.
Inzwischen sind alle Wände gestrichen, die neue Küche steht (Kreissäge sei Dank), alle Möbel sind an ihrem neuen Platz und ich kann die meisten Lichtschalter bereits mit geschlossenen Augen bedienen. Zeit also, nach Monaten der Untätigkeit, die Laufschuhe anzuschnallen, loszurennen und die neue Gegend zu erkundschaften.
Brühl. Nicht das Brühl im schönen Baden, das Steffi Graf als Ehrenbürgerin vorweisen kann. Nein, das Brühl im schönen Rheinland, Geburtsort von Max Ernst (dessen Bilder ich mir nicht aufhängen würde) und Reiner Calmund, klimatisch begünstigt, 725 Jahre Stadtrecht, mit den Weltkulturerbestätten Schloss Augustusburg und Schloss Falkenlust gesegnet, 45.000 meist katholische Einwohner fest in CDU-Hand, Phantasialand und jede Menge Grün drumrum.






Die neue Wohnung liegt spazierganggünstig zwischen Schlosspark und dem Naturschutzgebiet Villeseen, da ich aber wusste, nicht allzu weit zu kommen, noch mich bereits genügend auskenne, haben wir uns (Jane wollte etwas Power-Kinderwagen-Schiebing betreiben) für Schlosspark entschieden.
„Schlosspark?! Ey, das ist ja wie Hallenschach“, schreit die entrüstete Läufergemeinschaft.
„Jaja, ich weiß“, gibt der Wiedereinsteiger klein bei.
Etwas Schotter hier, ein paar Blumenbeete dort, knipsende Touristen und goldene Putten, dazu Wasserfontänen. Tralala.
Zur nicht notwendigen Verteidigung muss man aber sagen, dass direkt an den wirklich sehr gepflegten Park, ein kleiner dichter Wald mit sehr altem Baumbestand angrenzt. Dahinter kommt eine Ebene mit Äckern – in Zukunft kann ich meine Läufe also problemlos ausweiten.
Los geht's!
Östlicher Parkeingang, das Schloss wird erstmal ignoriert.
... PFPF ...
Erste Läuferin kommt mir entgegen. Es wird gegrüßt.
... PFPF ...
Links rum, auf dem Parallelweg scheint eine Herren-Zweier-Gruppe unterwegs zu sein.
... PFPFF ...
Weiter links rum, die sich laut unterhaltende Zweiergruppe nun im Nacken. Tempo erhöhen.
... PFPFPFPF ...
Rechts abbiegen und damit den ummauerten Parkbereich verlassen. Kurzer Anstieg.
... ÄCHZ ...
Nun immer geradeaus, das Zwischenziel Schloss Falkenlust fest im Blick.
... PFPFPF ...
Einzelläufer Nr. 2 kommt mir entgegen. Kopfnicken.
... PFPF PFFF ...
Unter der Bahnlinie hindurch. Schloss Falkenlust. Knips und kehrt.
... PFPF UFUF PFPF AUU PFPF ...
Die Waden schmerzen bereits und Einzelläufer Nr. 3 überholt mich.
... PFPF PFPF PFPF ...
Jetzt eine 2er-Girlie-Gruppe. Bauch rein und weiter.
... PFPF PFPF PFPF PFFFFF ...
Wieder in den Park rein. Schloss zur Rechten. Knips und Schlussspurt.
... PFPF PFFFF FFFFFFFF ...
Viertausendvierhundertmeter und ich bin hinüber. Aber schön war's und ich hab endlich wieder Lust auf mehr. Brückenlauf und Halbmarathon kann ich zwar knicken, aber ab dem Nikolauslauf bin ich wieder dabei.
Ach ja: Muskelkater und Maisonette-Wohnung ... ÄCHZ AUAUA ÄCHZ ... sag ich nur.