Alles neu?
von: Simon, in der Kategorie: „Allgemein
8. Jan
2012

So, das neue Jahr ist da. Das Jahr in dem alles besser, schneller, weiter, erfolgreicher und überhaupt wird. Werden sollte. Hätte werden können.

O.K., so schlimm isses nun auch nicht, aber irgendwie anders hab ich mir meinen Jahresstart nun doch vorgestellt. Am 1.1. um 3:45 Uhr meldete sich erstmal mein Magen, dicht gefolgt von seinem hinteren Kollegen, um mich wenig dezent auf eine fröhliche Gastroenteritis hinzuweisen.
Den restlichen Tag verbrachte ich damit entweder im Bett oder auf'm Klo - ich weiß nicht, wieviele Kilometer ich dabei zurücklegte und sehe es einfach mal als erste Trainingseinheit des Jahres 2012 an.

Kaum war ich einen Tag später einigermaßen wiederhergestellt folgte das freudige Ereignis Nr. 2. Eine nur unzureichend beleuchtete und dazu noch regenfeuchte unterste Treppenstufe brachte mich zu Fall. Ergebnis: Fuss umgeknickt.
Über Nacht nimmt der dumpfe Schmerz zu, s.d. am Morgen danach erstmal alle Sälbchen des muttern'schen Arzneischranks herhalten müssen. Ich tippe mal auf eine leichte Bänderdehnung und dabei hat mir meine Orthopädin schon immer gesagt:
„Laufen is nix für Sie. Ihre Bänder in den Fußgelenken sind zu locker!“.
Egal. Heute tut's schon nicht mehr weh.

Was haben wir daraus gelernt?

Ein neues Jahr immer schön langsam angehen, ein Magen-Darm-Infekt bringt einem locker ein bis zwei Kilo Gewichtsverlust ein und es lohnt sich einfach nicht, seine Sportausrüstung für den Urlaub zu packen, man sitzt eh nur faul rum ;-)

Gutes Neues an alle.


In Erinnerung
von: Simon, in der Kategorie: „Für immer
21. Dez
2011

Vor zwei Jahren kam unser kleiner Sohn Elias zur Welt – alles Liebe zum Geburtstag.

Zwei Jahre. Sind zwei Jahre genügend Zeit, um einen ehemals unerträglichen Schmerz auszuschalten? Reichen zwei Jahre aus, um ein Ereignis verblassen zu lassen, welches einem jeglichen Glauben nahm? Kann Zeit wirklich alle Wunden heilen?

Vor zwei Jahren kam unser kleiner Sohn Elias zur Welt – leider schaffte er es nicht und kam still und viel zu früh zu uns.

Inzwischen kam mit unserer Tochter Lola ein neuer Stern hinzu. Sie füllt keine Lücke auf, aber sie gibt den Sinn des Lebens zurück. Sie zeigt uns jede einzelne Sekunde, wie es hätte sein können. Und sie erinnert uns gleichzeitig daran, dass sie nicht auf dieser Welt wäre, wenn Elias es geschafft hätte.

Vor zwei Jahren kam unser kleiner Sohn Elias zur Welt – er fehlt uns immer wieder.

Vor einem Jahr sagte ich an dieser Stelle, dass Jane und ich Elias ganz kurz kennenlernen, ihn halten und mit ihm sein durften und alle anderen Menschen wissen sollen, dass es Elias gab und gibt, dass er hier ist und immer bei uns sein wird, und ich niemals müde sein werde, an ihn zu erinnern.

Vor zwei Jahren kam unser kleiner Sohn Elias zur Welt.

Friedliche Feiertage an alle Leser.


Alle Jahre wieder
von: Simon, in der Kategorie: „Laufen
5. Dez
2011

Wenn in der frühen Abenddämmerung ungeschickt angebrachte LED-Schlangen leuchten und erste Ehemänner bereits leicht verzweifelt durch die Swarovski-, Douglas- und Hunkemöller-Geschäfte dieser Welt tigern, dann, ja dann weiß der gemeine Läufer in und um Köln, dass es an der Zeit ist, die rot-weiße Bommelmütze aus dem Schrank zu holen und loszurennen:
Kölner Nikolauslauf ist angesagt.

2.989 Läuferinnen und Läufer standen gestern Morgen auf, um bei moderaten 7 °C drei kleine Runden à 3,3 Kilometer zu bezwingen, und ich war auch dabei. Jane und Lola sorgten für die mentale Unterstützung und Mitläuferin Irina trat ihren ersten 10-Kilometer-Wettlauf an.

Knapp 3.000 Läuferinnen und Läufer

Noch gut gelaunt

Typischer Laufstil mit Beinausfallbewegung

Flott, flott

Ist da etwa ein Bierbauchansatz zu sehen?

War auch gut gelaunt

Im Gegensatz zum rutschigen und verregneten Vorjahreslauf war es quasi trocken. Schnee? Nie gehört. Das fehlende Eis machte sich dann auch gleich am Start bemerkbar, denn die ersten 100 Läufer fielen dieses Mal nicht sofort auf die Fresse, s.d. es zügig losging.

Ich hatte keinerlei Erwartungen (am Vorabend den Ranzen noch schön mit Erdnussflips und Spezi gefüllt) – locker ankommen war das Ziel. Blöderweise hielten sich meine Beine nicht daran, denn die liefen im ersten Drittel zu schnell los und waren nach fünf Kilometern schon spürbar beansprucht. Na toll.
Was blieb einem da schon übrig, als den Bauch ein- und das Tempo durchzuziehen? Ständig auf der Suche nach einem passendem Zugläufer spulte ich die zehn Kilometer in meinen von Brooks gesponserten Pure Grit ab und überquerte die Ziellinie ohne Schlußspurt und etwas überraschend bei 00:59:irgendwas.
Letztendlich waren es 00:57:52 und damit ... tadahh ... persönliche Bestzeit.

Was zeigte uns dieser Lauf? Die Pure Grit verhalten sich auf feuchtem Kopfsteinpflaster wie Schlittschuhe, Irina schaffte ihre ersten zehn Kilometer ebenfalls in unter einer Stunde und ich bin wieder im (Lauf)Geschäft dabei.
2012 kann kommen!


29. Nov
2011

Jetzt, wo es nicht nur Weihnachtsbaumdeko bereits reduziert zu kaufen gibt, sondern es abends auch ganz schön früh dunkel wird, beginnt man auch beim Laufen etwas zu frösteln. Die langen Unterhosen können zwar noch im Schrank bleiben, aber manchmal dürfte es etwas kuschliger sein.
Da kam das Paket von bergfreunde.de genau richtig, denn ich darf das Pilot Top der Firma Silkbody testen.

Optisch ein cooles Ding irgendwo zwischen Kapuzenpulli und mittelalterlichem Kettenhemd, ist das Pilot Top ein hochfunktionelles Unterwäscheoberteil aus Seide und Merinowolle.
Ich glaube ja, dass Läufer und andere Outdoor-Menschen dazu tendieren, sich eher hochtechnisiert durch die Pampa zu bewegen. Schuhe mit Superduper-Schaumstoff-Sohlen, 100-Lagen-Winddichtwasserfest-Jacken, Ultraleichtgewichtsrucksäcke und GPS-Sender mit denen ich auch noch den Standort meines während des Hindernislaufs verloren gegangenen Jagd-Dackels ermitteln kann. Da kommt einem Seide-Bekleidung irgendwie esoterisch-antiquiert vor.

Vom Läufer ...

 ... zum ...

... Bankräuber

Flache Nähte in Rot

Ich wechsle immer zwischen ollen abgetragenen Baumwoll-Shirts oder - wie z.B. auch am Kilimanjaro - High-Tech-Tops mit Schweißströmungskanälen :-) Jetzt stehe ich aber grad nicht auf Afrikas höchstem Punkt, sondern im südlichen Nordrhein-Westfalen, was ja nicht gerade für hohe Berge bekannt ist – Brühl bringt's auf schlappe 154 Meter.
Also rein ins Hemd und raus aus dem Haus. 5° C. Das ist frisch, und weil ich das neue Wunderteil nicht kenne, hab ich noch ne dünne Windbreaker-Jacke drüber gezogen.

Mehr als warm

Es fühlt sich anfangs gut an auf nackiger Haut. 240 Gramm leicht in der Größe M, relativ weich, nix drückt oder zwickt, Flachnähte sei Dank. Nun gut, wenn man den Reißverschluss ganz schließt und sich ne Sonnenbrille anzieht (wofür es Extra-Öffnungen gibt!), kann man unterwegs gleich noch unerkannt 'ne Sparkasse überfallen, denn die geschlossene Kapuze lässt nur noch Nase und Augen frei.
Die Kapuze ziehe ich mir aber schnell ab, denn meine Birne glüht schon seit Kilometer Eins. Nun macht sich allerdings sofort der asymmetrische Reißverschluss bemerkbar, denn will man ihn wegen des Windes nicht ganz öffnen, baumelt ein Kapuzenzipfel etwas nervend vor der linken Backe rum. Halboffen geht irgendwie nicht so richtig, ganz oder gar nicht ist die Devise. Nett sind dafür die Daumenschlaufen, die einem bei milderen Temperaturen das Tragen von Handschuhen ersparen.

10 Minuten später rinnen mir die Schweißperlen unermüdlich Richtung Socken. Das Shirt hält warm. Sehr warm. Und obwohl ich wie immer schwitze wie ein alter Biber, fühlt sich das Seide-Wolle-Gemisch relativ trocken an. Nach einer Stunde sind immerhin 79 Milliliter Schweiß darin gefangen. Sagt zumindest die Präzisions-Küchenwaage.
Meine Brustwarzen sagen mir während des Duschens übrigens was anderes, nämlich dass sie etwas aufgescheuert wurden. Zumindest das hätte ich bei diesem Naturprodukt nicht erwartet.

Das subjektive Fazit

Bald DreiZuFuss?

Sehr warmes und dabei doch angenehm leichtes Oberteil für richtig kühle Tage, allerdings eher zum Wandern, Bergsteigen oder Motorradfahren gedacht, da die Kapuze bei bewegungsintensiverem Sport doch eher stört und das Material dann auf empfindlicher Haut leicht scheuern kann. Dafür stinkt es nicht.
Das Pilot Top kostet übrigens 125 Tacken, was für Unterwäsche schon ein ziemlich stolzer Preis ist.

Vielen Dank, liebe Bergfreunde.


Höhepunkt des Monats
von: Simon, in der Kategorie: „Wandern
21. Nov
2011

Brühl.

Gestern wurde der sonntagliche Vormittagsspaziergang dazu genutzt, den tektonisch höchsten Punkt Brühls zu erklimmen, wobei das eigentliche Problem eher darin bestand, die auf keiner Karte verzeichnete Stelle überhaupt zu finden.
Auf Nachfrage bei der Stadtverwaltung Brühl antwortet die 49-seitige Eigenstatistik 2010 auf Seite 7 scheinbar eindeutig und mit Schreibfehler wie folgt:
„Höchster Punkt: Am Schnacken Jagdweg bei trigonometrischem Punkt 3, südl. Birkhof  154,8 m über NHN“.

Schnacker Jagdweg und Birkhof sind bei Bing noch zu finden, aber der TP ... tjo. Kein Dreieck auf irgendeiner Karte. Kein buntes Schild. Kein Gedenkstein oder Gipfelkreuz.
Hätte Töchterchen nach 4,5 Kilometern Aufstieg im Kinderwagen nicht lautstark gemeckert, hätte ich noch weiter gesucht. Aber so bleibt der höchste Punkt Brühls für mich erstmal noch unbestimmt.
Wenigstens hat Lola beim Abstieg dann wieder gepennt.

Weitere Höhepunkte des Monats:
Mai 2010
September 2010
Oktober 2010


Zeitumstellung – endlich!
von: Simon, in der Kategorie: „Laufen
10. Nov
2011

Wie jedes Jahr, war es auch dieses Mal am letzten Sonntag des Oktobers wieder soweit: Zeitumstellung!

Genauer gesagt, es ist wieder Normalzeit und damit der Sommer endgültig verabschiedet. Tschö.
Und wie immer jammern nicht nur die Kühe im Stall, weil es ihr zitzenberechtigter Bauer verpennt hat, seinen Wecker umzustellen, nein, irgendwie meckern alle, was vor allem an der nun noch früher einsetzenden Dunkelheit zusammenhängt.

Abgesehen davon, dass unsere Tochter es den Kühen gleich tat und einige Tage benötigte, bis sie wieder beim Normalzustand ankam, finde ich Winterzeit super. Denn endlich können Stirnlampen-Fetischisten wie unsereins noch weit vor Tagesschau, Super-Nanny oder American Chopper  im Dunkeln loslaufen.

Die kleine Welt zieht vorbei

Lichtstreifen

Allein mit dem Mond

Lichtverschmutzung!

Wenn wir mal ehrlich sind, ist Laufen stinklangweilig:
immergleiche Wege und Straßen, immer gleich herumstehende Bäume und Häuser, manchmal sogar bereits bekannte Läufer im immer gleichen Lieblingsshirt.

Da kommt man zu nix. Gedanklich gesehen. Aber im Dunkeln. Meditativ. Quasi.
Man darf natürlich keine Angst davor haben, dass hinter jedem zweiten Busch ein potentieller Soziopath sitzen könnte, der nur darauf wartet, einem das verschwitzte Shirt zu entreißen, um daran zu schnüffeln. Na ja, lassen wir den Gedankengang lieber sein.

Im Dunkeln spielt das Gehör plötzlich eine ganz andere Rolle und die Augen erkennen manchmal Dinge, die gar nicht existieren. Bevor man einen Gegenstand am Rand seines Sehfeldes erkennen kann, ist er auch schon wieder für immer verschwunden.
Man ist allein mit sich, seinen Gedanken, die Geschichten ins Endlose erzählen können und seinen schmerzenden Muskeln in den Beinen. Kaum etwas lenkt dich ab, denn die Welt reduziert sich auf den kleinen erleuchteten Kreis der Stirnlampe.

Einfach nur schön.


Zeh vs. PET
von: Simon, in der Kategorie: „Allgemein
31. Okt
2011

Gestern, 19:41 Uhr - ich eben noch mit Stirnlampe bewaffnet unterwegs gewesen - überfällt mich auf heimtückische Weise, eine gut gefüllte 0,75-Liter-Fanta-Orange-PET-Flasche und stürzt sich im freien Fall auf den mittleren Zeh meines linken Fußes!
Ergebnis: der betroffene Zeh ist blau.

Ein Bruch kann wahrscheinlich ausgeschlossen werden, aber ans Laufen ist die kommenden Tage nicht zu denken.

Die feige Fanta-Flasche ist inzwischen vernichtet!


Wilde Karte
von: Simon, in der Kategorie: „Laufen
23. Okt
2011

Meine verehrten Kollegen von basicthinking.de sind das ja gewohnt, ständig mit BestechungsPräsenten einfallsreicher Marketing-Abteilungen überhäuft, um damit auf anstehende Produktinovationen hingewiesen zu werden.

Als gestern der stets gestresste DHL-Mann klingelte, wurde nicht etwa die heiß ersehnte Babyschale für den Radanhänger geliefert, sondern ein Überraschungspaket der Marketing-Agentur vom Strongman Run. Ein paar Tage zuvor erhielt ich nämlich bereits 'ne Ankündigung, dass die Wildcard dieses Jahr kein schnöder per Mail versendeter Anmeldecode sein würde, sondern so richtig zum in die Hand nehmen.

Die Schuhkartongröße des kleinen von Hand adressierten Pakets ließ bereits erahnen, dass da nicht nur ne Postkarte drin sein würde. Nein, viel cooler, es enthielt auch das Geschenk vom Hauptsponsor Brooks:
ein Paar neue Treter aus der "Pure Projekt"-Reihe. Genauer gesagt die Pure Grit - die entsprechenden Trail-Schuhe des Pure Projects, passend zum Strongman Run.

Überraschung!

Nicht nur eine Karte ...

... sondern auch Dreck, Schuhe und ...

... ein handgeschriebenes Briefchen.

Doch der arme Praktikant durfte nicht nur ein Paar Schuhe in den Karton stecken, sondern, neben einem persönlichen Anschreiben, auch noch eine Tüte voll Dreck, quasi als Trainingsanreiz für Zuhause.

Als Grafiker und Selbst-Event-Team-Mitglied kann ich sagen:
insgesamt eine schöne Marketing-Aktion, die bei den teilnehmenden Bloggern in Erinnerung bleiben wird. Danke!


Projekt 119:59
von: Simon, in der Kategorie: „Laufen
19. Okt
2011

So, Schluss mit den faulen Ausreden. Vorbei die Zeiten des Müßigganges. Bewegen ist wieder angesagt.

Die letzten Monate war ich ja mehr als faul und das Ergebnis ist nicht nur unterhalb meiner Rippen zu sehen. Als Entschuldigung kann ich nur meine kleine Tochter vorschieben, zum einem nimmt sie ganz schön viel Zeit in Anspruch, auf der anderen Seite will man einfach soo viel Zeit wie überhaupt möglich mit ihr verbringen. Da bleibt nicht mehr viel für Unwichtiges übrig.
Aber nun, da ich in Elternzeit bin und auch einfach fit bleiben möchte, widme ich mich wieder dem Laufen.

Ich war ja schon ein paar mal in Brühl und Umgebung unterwegs, allerdings nie mehr als 30 Minuten am Stück oder 90 Minuten mit dem Rad. Vorgestern waren's plötzlich sieben Kilometer und ... ich hätte noch weiterlaufen können! Es hat tatsächlich wieder Spaß gemacht.

Der Kölner Nikolauslauf wird der erste Wettkampf sein und für den Strongman Run habe ich ja ne Wildcard bekommen, das wären dann schon mal zwei Ziele. Um aber auch einmal zeitlich weiterzukommen, habe ich das Projekt 119:59 gestartet. Im Klartext: Halbmarathon in unter zwei Stunden.
Für viele Läufer ein lächerlicher Klacks, für mich langsame Gurke aber DIE Herausforderung. Ohne Plan und genügend Vorbereitungszeit geht da gar nix, weshalb ich mir mal die halbe Strecke vom Kölner Marathon im Herbst 2012 ins Visier genommen habe.
Sollte machbar sein.


Harte Sau?
von: Simon, in der Kategorie: „Laufen
16. Okt
2011

Dem allgemeinen Läufer scheint es auf den immergleichen 10, 21 oder 42 Kilometern langweilig zu werden. Immer nur auf der Straße, durch Innenstädte und Industriegebiete hindurch, vorbei an jubelnden Sonntagsspaziergängern, zwischendurch vielleicht auch mal über einen schnuckligen Waldweg ... nene, da muss was Neues her. Was Aufregendes.

Neue Herausforderungen, nicht nur an die Beine, „der Rest soll endlich auch 'mal Einsatz zeigen!“, schreien der blasengepeinigte rechte kleine Zeh im Chor mit den schmerzenden Knien. Mit zwei fetten Worten: Strongman Run. Yeah!

Nürburgring, 20 Kilometer über, unter und durch Schotter, Sand, Dreck, Heuballen, Reifen, Wasserlöcher, Netze, Röhren, Hügel. Im sonnigen, vielleicht aber auch feuchten Mai – verdammt, da muss wasserfestes Haargel her!

Wie bereits im vergangenen Jahr wurde ich auch dieses Mal mit einer Wildcard geangelt.
Wildcard? „Aha, du Freizeitblogger lässt dich also mit einer schnöden kostenlosen Teilnahmekarte auf die Strecke locken. Und dafür schön positiv über die Veranstaltung schreiben, jaja.“, könnte man die Vermutung äußern.

Aber wisst ihr was? Ist mir völlig schnurz. Ich freue mich über die Möglichkeit zur kostenlosen Teilnahme, v.a. weil ich 2011 wegen nicht vorhandener Fitness absagen musste und ich ansonsten schon genug Geld für Startgebühren aufbringe.
Diese Veranstaltung (erinnert mich übrigens entfernt an einen Tag bei der Bundeswehr, als ich mit GasAtemschutzmaske über einen frisch gepflügten Acker rannte) eines gewissen bekannten Herstellers scharfer Lutschbonbons aus der Anglerszene ist ja ein kleines bisschen verpönt, weil Kommerz und großes Tamtam und so, aber auch das ist mir schnurz – ich werde meinen Spaß haben.

Ohne an dieser Stelle auch noch den allgemein bekannten Slogan zitieren zu wollen, wird man also sehen, ob ich in ein paar Monaten stark genug sein zu den Finishern gehören werde.


Neues Revier
von: Simon, in der Kategorie: „Laufen
12. Aug
2011

Das große Ereignis in den letzten Wochen, war ist natürlich die Geburt von Lola. Was mir aber wirklich schlaflose Nächte und Rückenschmerzen bescherte, war unser Umzug.
Zwar nur schlappe acht Kilometer von Hürth nach Brühl, die Möbel mussten aber trotzdem runtergetragen, eingeladen, transportiert, ausgeladen und wieder hochgetragen werden. Nächstes Mal wird übrigens ein Umzugsuntgernehmen engagiert – ich bin einfach zu alt für so nen Mist.

Inzwischen sind alle Wände gestrichen, die neue Küche steht (Kreissäge sei Dank), alle Möbel sind an ihrem neuen Platz und ich kann die meisten Lichtschalter bereits mit geschlossenen Augen bedienen. Zeit also, nach Monaten der Untätigkeit, die Laufschuhe anzuschnallen, loszurennen und die neue Gegend zu erkundschaften.

Brühl. Nicht das Brühl im schönen Baden, das Steffi Graf als Ehrenbürgerin vorweisen kann. Nein, das Brühl im schönen Rheinland, Geburtsort von Max Ernst (dessen Bilder ich mir nicht aufhängen würde) und Reiner Calmund, klimatisch begünstigt, 725 Jahre Stadtrecht, mit den Weltkulturerbestätten Schloss Augustusburg und Schloss Falkenlust gesegnet, 45.000 meist katholische Einwohner fest in CDU-Hand, Phantasialand und jede Menge Grün drumrum.

Schotterwege

Beinahe idyllisch

Dunkler Wald

Schloss Falkenlust

Und zurück

Schloss Augustusburg

Die neue Wohnung liegt spazierganggünstig  zwischen Schlosspark und dem Naturschutzgebiet Villeseen, da ich aber wusste, nicht allzu weit zu kommen, noch mich bereits genügend auskenne, haben wir uns (Jane wollte etwas Power-Kinderwagen-Schiebing betreiben) für Schlosspark entschieden.

„Schlosspark?! Ey, das ist ja wie Hallenschach“, schreit die entrüstete Läufergemeinschaft.
„Jaja, ich weiß“, gibt der Wiedereinsteiger klein bei.

Etwas Schotter hier, ein paar Blumenbeete dort, knipsende Touristen und goldene Putten, dazu Wasserfontänen. Tralala.
Zur nicht notwendigen Verteidigung muss man aber sagen, dass direkt an den wirklich sehr gepflegten Park, ein kleiner dichter Wald mit sehr altem Baumbestand angrenzt. Dahinter kommt eine Ebene mit Äckern – in Zukunft kann ich meine Läufe also problemlos ausweiten.

Los geht's!
Östlicher Parkeingang, das Schloss wird erstmal ignoriert.
... PFPF ...
Erste Läuferin kommt mir entgegen. Es wird gegrüßt.
... PFPF ...
Links rum, auf dem Parallelweg scheint eine Herren-Zweier-Gruppe unterwegs zu sein.
... PFPFF ...
Weiter links rum, die sich laut unterhaltende Zweiergruppe nun im Nacken. Tempo erhöhen.
... PFPFPFPF ...
Rechts abbiegen und damit den ummauerten Parkbereich verlassen. Kurzer Anstieg.
... ÄCHZ ...
Nun immer geradeaus, das Zwischenziel Schloss Falkenlust fest im Blick.
... PFPFPF ...
Einzelläufer Nr. 2 kommt mir entgegen. Kopfnicken.
... PFPF PFFF ...
Unter der Bahnlinie hindurch. Schloss Falkenlust. Knips und kehrt.
... PFPF UFUF PFPF AUU PFPF ...
Die Waden schmerzen bereits und Einzelläufer Nr. 3 überholt mich.
... PFPF PFPF PFPF ...
Jetzt eine 2er-Girlie-Gruppe. Bauch rein und weiter.
... PFPF PFPF PFPF PFFFFF ...
Wieder in den Park rein. Schloss zur Rechten. Knips und Schlussspurt.
... PFPF PFFFF FFFFFFFF ...

Viertausendvierhundertmeter und ich bin hinüber. Aber schön war's und ich hab endlich wieder Lust auf mehr. Brückenlauf und Halbmarathon kann ich zwar knicken, aber ab dem Nikolauslauf bin ich wieder dabei.

Ach ja: Muskelkater und Maisonette-Wohnung ... ÄCHZ AUAUA ÄCHZ ... sag ich nur.


Jambo! Kili-Jahrestag
von: Simon, in der Kategorie: „Kilimanjaro
21. Jul
2011

Vor zwei Jahren stand ich auf dem Gipfel des Kilimanjaro – 5.892 Meter und ein paar Zerquetschte, wenn man den Felsbrocken dazuzählt, auf den ich mich stellte.
Nach fünf teilweise sehr anstrengenden Aufstiegstagen, an denen jeder aus unserer kleinen Gruppe zu unterschiedlichen Zeiten an seine persönlichen Grenzen stieß, genossen Monika, Werner und ich einen erlösenden Moment der Ruhe. Ich war tatsächlich stolz auf mich, denn ich wusste, dass ich alles richtig machte, um dieses Ziel zu erreichen.

In der Zwischenzeit ist so viel passiert, dass der Gipfel in meinen Erinnerungen bereits allmählich zu verblassen beginnt und mehr und mehr unwichtig erscheint.
Elias kam und ging, Jane und ich heirateten und heute halten wir Lola, die wundervollste Tochter der Welt, im Arm und ich staune jeden Morgen von Neuem über dieses kleine Wunder.
Das mag mehr als sentimental klingen (und ich bin der unsentimentalste Mensch überhaupt), doch seit dem 13. Juni 2011 weiß ich, dass alles andere auf dieser Welt im Vergleich zu unserer Tochter so was von unwichtig ist, dass ich über Stress im Job, Marathonfinish, Geldsorgen und alle Gipfel dieser Erde nur müde lächeln kann.

Aber irgendwann. Irgendwann werde ich meinen Enkeln von meiner Kilimanjaro-Besteigung erzählen.


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