
Vor Kurzem hat mich meine Kollegin auf den neuen Internetauftritt des Bonner Marathons aufmerksam gemacht. Zum Glück hab ich mir die Seite zwischen zwei Mahlzeiten angesehen, ansonsten hätte mein Magen das Essen kaum zurückhalten können – der Hauptsponsor hat gewechselt und er ist ... Gelb.
Jetzt, mit ein paar Tagen Erhohlung dazwischen, habe ich mir die Seite noch einmal angesehen. Im Gegegensatz zur alten Homepage kann man diese beinahe schon als übersichtlich beschreiben, mehr aber auch nicht. Weißer Hintergrund, sechs Menüpunkte, kurze Texte, das war's auch schon. Insgesamt sieht es so aus, als ob ein mäßig begabter Systemadministrator sich absichtlich nicht ans CD der Post hielt und die Webseite mit dem Homepage-Creator von Strato, 1&1 und Co. zusammenwürfelte. Das hat so viel Charme wie ein Toyota Corolla, sogar die Bestellung einer Online-Briefmarke ist spannender.
„Die Laufstrecke führt die Sportler durch die Bundesstadt Bonn, enlang des Rheins und vorbei an vielen Sehenswürdigkeiten und Wahrzeichen der Stadt“ heißt es gleich auf der Startseite. Ach, wie gern würde der nostalgisch veranlagte Läufer hier ein kleines „Haupt“ einfügen wollen :-)
Doch wo sind die Sehenswürdigkeiten? Welche Wahrzeichen? Die Einfamilienhäuser zwischen Kilometer 2 und 7 können damit nicht gemeint sein. Die sich hinziehende vier Kilometer lange Schleife neben der Rheinaue? Vielleicht der Post-Tower bei Kilometer 17? Verstaubte Bundesministerien etwa? Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich muss man am Marathon teilnehmen und die Strecke 2x ablaufen, damit sich einem die ungezählten Wahrzeichen erschließen. Aber sind wir mal nicht wie immer zu böse: Historisches Rathaus, Villa Hammerschmidt, Bonner Münster, Opernhaus, die knapp fünf Kilometer lange Rheinpromenade – Bonn ist klein, aber nett und vielleicht wohne ich in ein paar Monaten selbst dort.
Unter dem Menüpunkt „Infos“ ist alles Wissenswerte unter einer langen Stichwortliste zu finden, so erfahren wir u.a. auch, dass die Brückenberger Trachtengruppe für einen Verpflegungspunkt verantwortlich ist. Vielen Dank hier einmal an die unzähligen Helfer und Helferinnen, die sich bei solch einer Veranstaltung um das Wohl der leidenden Sportler kümmern.
Was gibt's sonst noch? Der Ü10 Club scheint soo wichtig zu sein, dass er einen eigenen Menüpunkt noch vor den Sponsoren erhielt, von Web 2.0-Unarten wie Twitter und Co. hält man anscheinend (noch) nix, immerhin kann man sich in eine Spam-Schleuder einen Newsletter-Verteiler eintragen und der Facebook-Gruppe beitreten.
Ein erwarteter Gewinn rund um die 1,75 Milliarden Euro im Jahr 2010 – nur die Rechnung vom Webdesigner wurde nicht bezahlt. Tststs, als Kreativschaffender kann ich nur mit den Schultern zucken.
Nicht alle legen so viel Wert auf eine wenigstens anständig aussehende Internetseite wie unsereins, aber mit etwas Engagement hätte man sich hier von anderen Laufveranstaltungen problemlos abheben können. Stattdessen reiht man sich lieber in die endlose Reihe schrecklicher langweiliger Marathonseiten (Frankfurt, Hamburg, Düsseldorf, New York) ein.