
Meinen Weg ins Büro kann man als übersichtlich beschreiben – im Schnitt 1.230 Meter vom Ausgang Tiefgarage bis zum Eingang Innenhof, je nachdem welche verkehrswidrige Straßenüberquerung dabei gewählt wird.
Wenn einem die verdammte Straßenbahn keinen sprichtwörtlichen Strich durch die Rechnung macht, lege ich diese Strecke auf dem Rad in unter vier Minuten zurück, zu Fuss sind es meist gemütliche zehn Minuten mehr.
In den letzten Wochen wurde dieser arbeitnehmerfreundlich kurze Weg jedoch zum täglichen Kampf mit der motorisierten Welt. Atheist hin oder her, aber jeden Morgen erst mal drei Kreuze dafür, dass ich das Gebäude lebend betreten durfte!
Bei Nacht scheint der Verstand des allgemeinen Autofahrers einfach mal auszusetzen, vielleicht liegt's auch an einer evolutionär bedingten Angst vor der Dunkelheit, aber ey:
„Seid ihr denn total bescheuert?!?“
Da wird in jede Richtung abgebogen, ohne auf Verluste zu achten. Egal ob Schulkinder, Ommas oder radfahrende Grafiker: „Scheißegal!“ ruft der Chor der Motorisierten einstimmig „wir machen euch alle platt“.
Der sicher gestresste Autofahrer mag nun in seinem auf 26 °C hochklimatisiertem Wagen anbringen, dass ich ja selbst Schuld bin, wenn ich nur mit einem Fahrrad bewaffnet in die alltägliche Arena steige. Aber trotz vorbildlicher Beleuchtung bin ICH der schwächere Verkehrsteilnehmer!
O.K., O.K., jetzt nicht alle verallgemeinernd in einen Topf werfen und ja, ich geb's zu, mein Fahrstil ist eher kamikaze sportlich, aber immer umsichtlich und nur meiner vorausschauenden Intelligenz gepaart mit Wendigkeit ist es zu verdanken, dass ich in meinem Leben bisher nur 2x von einem Auto zur Strecke bzw. auf die Straße gebracht wurde. Freudige Ausrufe wie „Du blödes Arschloch“ muss ich natürlich ab und zu über mich ergehen lassen, denn nur mit vier Rädern unterm Hintern bist du ein richtiger Mann.
Heute Morgen dann natürlich verschärfte Situation, weil Schnee. Zwei Zentimeter. Zwei Zentimeter, die den Adrenalinspiegel in ungeahnte Höhen schnellen lassen und dazu führen, dass das Kleinhirn die Gewalt über den Körper übernimmt. Da kann der Autofahrer natürlich nix für, dass er deine Frau zur Witwe macht. Höhere Gewalt, quasi.
Winterreifen? Nie gehört. Schulterblick? Nur was für Weicheier. Blinker? Wird völlig überschätzt. Interessanterweise sind es gerade die In-und-Um-Kölner, von Geburt an mildes Wetter gewohnt, die sich beim ersten Anblick der weißen Pracht erst mal zünftig in die Hose machen. Nach der ersten Überraschung kommen sie dann entweder nicht über den zweiten Gang hinaus oder sie tun so, als ob alles wie immer wäre. Beides gleich schlimm, unsereins hat auf alle Fälle verloren.
Mein Appell an alle Autofahrer (und ich bin ja selbst gern Autofahrer):
auch wenn wir Fußgänger, Rad- und Motorradfahrer euch manchmal nerven, passt doch bitte besser auf und fahrt etwas umsichtiger durch die Gegend. Danke.