
Jetzt, wo es nicht nur Weihnachtsbaumdeko bereits reduziert zu kaufen gibt, sondern es abends auch ganz schön früh dunkel wird, beginnt man auch beim Laufen etwas zu frösteln. Die langen Unterhosen können zwar noch im Schrank bleiben, aber manchmal dürfte es etwas kuschliger sein.
Da kam das Paket von bergfreunde.de genau richtig, denn ich darf das Pilot Top der Firma Silkbody testen.
Optisch ein cooles Ding irgendwo zwischen Kapuzenpulli und mittelalterlichem Kettenhemd, ist das Pilot Top ein hochfunktionelles Unterwäscheoberteil aus Seide und Merinowolle.
Ich glaube ja, dass Läufer und andere Outdoor-Menschen dazu tendieren, sich eher hochtechnisiert durch die Pampa zu bewegen. Schuhe mit Superduper-Schaumstoff-Sohlen, 100-Lagen-Winddichtwasserfest-Jacken, Ultraleichtgewichtsrucksäcke und GPS-Sender mit denen ich auch noch den Standort meines während des Hindernislaufs verloren gegangenen Jagd-Dackels ermitteln kann. Da kommt einem Seide-Bekleidung irgendwie esoterisch-antiquiert vor.
Ich wechsle immer zwischen ollen abgetragenen Baumwoll-Shirts oder - wie z.B. auch am Kilimanjaro - High-Tech-Tops mit Schweißströmungskanälen :-) Jetzt stehe ich aber grad nicht auf Afrikas höchstem Punkt, sondern im südlichen Nordrhein-Westfalen, was ja nicht gerade für hohe Berge bekannt ist – Brühl bringt's auf schlappe 154 Meter.
Also rein ins Hemd und raus aus dem Haus. 5° C. Das ist frisch, und weil ich das neue Wunderteil nicht kenne, hab ich noch ne dünne Windbreaker-Jacke drüber gezogen.
Mehr als warm
Es fühlt sich anfangs gut an auf nackiger Haut. 240 Gramm leicht in der Größe M, relativ weich, nix drückt oder zwickt, Flachnähte sei Dank. Nun gut, wenn man den Reißverschluss ganz schließt und sich ne Sonnenbrille anzieht (wofür es Extra-Öffnungen gibt!), kann man unterwegs gleich noch unerkannt 'ne Sparkasse überfallen, denn die geschlossene Kapuze lässt nur noch Nase und Augen frei.
Die Kapuze ziehe ich mir aber schnell ab, denn meine Birne glüht schon seit Kilometer Eins. Nun macht sich allerdings sofort der asymmetrische Reißverschluss bemerkbar, denn will man ihn wegen des Windes nicht ganz öffnen, baumelt ein Kapuzenzipfel etwas nervend vor der linken Backe rum. Halboffen geht irgendwie nicht so richtig, ganz oder gar nicht ist die Devise. Nett sind dafür die Daumenschlaufen, die einem bei milderen Temperaturen das Tragen von Handschuhen ersparen.
10 Minuten später rinnen mir die Schweißperlen unermüdlich Richtung Socken. Das Shirt hält warm. Sehr warm. Und obwohl ich wie immer schwitze wie ein alter Biber, fühlt sich das Seide-Wolle-Gemisch relativ trocken an. Nach einer Stunde sind immerhin 79 Milliliter Schweiß darin gefangen. Sagt zumindest die Präzisions-Küchenwaage.
Meine Brustwarzen sagen mir während des Duschens übrigens was anderes, nämlich dass sie etwas aufgescheuert wurden. Zumindest das hätte ich bei diesem Naturprodukt nicht erwartet.
Das subjektive Fazit
Sehr warmes und dabei doch angenehm leichtes Oberteil für richtig kühle Tage, allerdings eher zum Wandern, Bergsteigen oder Motorradfahren gedacht, da die Kapuze bei bewegungsintensiverem Sport doch eher stört und das Material dann auf empfindlicher Haut leicht scheuern kann. Dafür stinkt es nicht.
Das Pilot Top kostet übrigens 125 Tacken, was für Unterwäsche schon ein ziemlich stolzer Preis ist.
Vielen Dank, liebe Bergfreunde.
